Das war mein 2015

Das Jahr 2015 war für mich und mein Umfeld sehr bewegend und vielleicht eines der wichtigsten meines Lebens. Anfang März bekam ich die Diagnose Brustkrebs. Mein ganzes Leben war mit einem Mal aus den Fugen. So viele Fragen, die niemand beantworten konnte. Zwei Wochen später begann ich mit der Chemotherapie.

Eine Frage, die mich von Anfang an begleitete war, was ich aktiv tun konnte. Ich wollte nicht in die Rolle der passiv leidenden Kranken fallen. Unser guter Freund Philip empfahl mir, mich ketogen zu ernähren, das heißt, nahezu ohne Kohlehydrate. Hintergrund dieser Diät ist, dem Körper und den Krebszellen Glukose zu entziehen, denn Krebszellen ernähren sich ausschließlich von Glukose wohin gegen sich die normalen Zellen auch von den irgendwann gebildeten Ketonen ernähren können. Das ganze ist ziemlich komplex, leuchtete mir aber sehr schnell ein und so begann ich Mitte März mich ketogen zu ernähren – drei Monate lang. Zudem verzichtete ich auf Alkohol, ein eher kleineres Opfer.

Die Umstellung der Ernährung fiel mir gar nicht so schwer, da ich mich in den vergangenen Jahren immer mal wieder kohlehydratarm ernährt hatte nach der LOGI-Methode. Was mir anfangs wirklich schwer fiel war, das ganze konsequent durchzuhalten. Nachdem ich aber nach ein paar – zugegeben harten – Wochen merkte, dass es mir tatsächlich sehr gut ging, auch an den Tagen der Chemo, und ich weder müde noch antriebslos war, stieg meine Motivation. Ich hielt es drei Monate durch, die harte Zeit war überstanden, danach ging´s weiter mit LOGI.

Natürlich weiß ich nicht, ob es an der Ernährung lag oder auch einfach an dem Gefühl, aktiv etwas beizutragen, jedenfalls fühlte ich mich ziemlich wohl. Sehr schnell gingen mir die Haare aus, büschelweise, und ich bat Karsten, mir eine Glatze zu rasieren. Ich hatte mir gleich zu Anfang eine Perücke machen lassen, die ich dann letztendlich nur zwei- oder dreimal auf hatte. Zu Anfang trug ich lieber eine Mütze und dann später, als es warm wurde, lief ich oben ohne rum. Das ist hier in Berlin sicher wesentlich leichter als anderswo, hier gibt es ja allerhand schräge Typen. Zudem hatte ich von Anfang an mein komplettes Umfeld informiert, so konnte ich mich auch weitgehend ungezwungen verhalten.

Ich hatte mich gleich zu Beginn krank schreiben lassen um genügend Ruhe und keine Verpflichtungen zu haben und um die Dinge tun zu können, auf die ich spontan Lust hatte. Es war eine schöne Zeit, ein geschenkter langer warmer Sommer, den ich versuchte in vollen Zügen zu genießen.

Ich veränderte mich mit der Zeit, die Prioritäten verschoben sich, jeder Tag, die kleinen Dinge wurden wichtig. Ich genoss es so sehr genug Zeit für mich und meine Familie zu haben, im Garten zu buddeln, spazieren zu gehen, Essen zu kochen – ganz alltägliche Dinge, die für mich aber nun eine andere Bedeutung hatten. Ich entwickelte eine tiefe Dankbarkeit für das Leben. Und ich beschloss endlich Dinge zu wagen, die ich mir schon lange wünschte. Ich begann wieder zu Reiten und ich plante, mich beruflich zu verändern.

Der Impuls dazu kam von einer befreundeten Nachbarin, Christiane, die mich bat den Umbau einer Wohnung für sie zu planen. Währen des Planens erkannte ich, dass es das ist, was ich tun möchte. Ich wollte wieder in meinem Beruf als Architektin arbeiten. Es kann so einfach sein! Im Herbst beauftragte Christiane mich dann mit der Baudurchführung und Anfang Dezember war die Wohnung fertig. Wow, ein unglaublich tolles Gefühl!

Seit Anfang Dezember hatte ich OP und Bestrahlung mit dem best möglichen Ergebnis hinter mich gebracht und freute mich auf Weihnachten und Silvester. Welch ein Gefühl, nach einem Dreivierteljahr angefüllt mit Behandlungen und Arztterminen nun wieder ein “normales” Leben führen zu dürfen.

Ich starte in das Jahr 2016 mit viel Energie, neuen Haaren und einigen Plänen. Ich werde als selbständige Architektin arbeiten, ich werde weiterhin auf mich achten, tun was mir Freude bereitet und mich an jedem neuen Tag erfreuen.

Ich möchte mich hier noch einmal bedanken bei all denen, die mich durch dieses Jahr begleitet haben und für mich da waren. Ihr macht mein Leben so viel reicher! Und ich möchte allen, die eine ähnliche Diagnose haben, Mut machen. Das Leben geht weiter, seid mutig und offen, genießt jeden Tag. Das Glück liegt in den kleinen Dingen!

Ein gesundes Jahr 2016 mir vielen schönen Momenten wünscht euch,

Nadja

Literaturliste:

Krebszellen mögen keine Himbeeren (Ernährung)

Das Überlebensbuch Brustkrebs (Leitfaden durch alle Therapien)

Das Schicksal ist ein mieser Verräter (Roman)