Innen und Außen

Die Frage, wie sehr wir uns vor der bösen, hektischen und stressigen Aussenwelt in unser trautes Heim zurückziehen, wurde vor Kurzem im ZEITMAGAZIN 01/2015 in einem langen Artikel mit dem Titel “Die Welt ist mir zu viel” behandelt. Es wir der Rückzug aus der Realität kritisiert, die meistens nicht so rosig ist, wie wir uns das gerne zurecht träumen, Rückzug in einen kuscheligen Kokon, in eine rosige Wunschwelt. In vielen Artikeln wird Berlin Mitte oder Prenzlauer Berg als Paradebeispiel für gesellschaftliche und sozialpololitische Entwicklungen angeführt, weil hier die Strömungen zu erst entstehen oder am deutlichsten sichtbar werden.  Da fühle ich mich dann auch immer gleich persönlich angesprochen oder angegriffen. Das nervt einerseits, andererseits ist das auch ein Prüfstein um mein/unser eigenes Leben zu überdenken (und das ist von Zeit zu Zeit wichtig).

Ja, das Leben ist anstrengend! Aber das ist normal, wenn man einen Beruf hat und eine Familie mit Kindern. Ist auch gar nicht so schlimm. Das ganze Gejammer findet meistens auf sehr hohem Niveau statt. Natürlich muss man gut aufpassen, sein Leben im Gleichgewicht zu halten und das ist auch nicht so einfach, wie einem in manchen Lifestyle-Magazinen suggeriert wird,  aber das ist unsere Aufgabe und kann nicht als fadenscheinige Begründung für einen Rückzug aus dem öffentlichen und politischen Leben gelten. Und ich denke, man braucht auch unbedingt einen Rückzugsort, an dem man sich entspannen und auch mal die Welt ausblenden kann. Es spricht auch nichts dagegen, sich sein Zuhause so angenehm und schön wie möglich zu machen. Und es ist auch sinnvoll, sich zum Ausgleich für die vielfältigen Belastungen mit kontemplativen Dingen zu beschäftigen. Handarbeiten z. B. kann sehr kreativ und meditativ sein. Jeder muss seinen Ausgleich finden (Sport hilft übrigens auch ganz gut) für den Druck, dem er jeden Tag ausgesetzt ist, aber das ist nicht alles.

Man darf dabei die andere Seite des Lebens, die öffentliche, nicht vernachlässigen. Hier ist jeder von uns gefragt. Wer soll das Leben sonst verändern, wenn nicht wir, die wir mitten drin stehen? Ich persönlich finde es sehr schwer, den eigenen Weg zu finden, wie ich mich sinnvoll engagieren kann. Ich sehe zwei Möglichkeiten: 1. Mitreden und 2. Mitmachen.

Mitreden meint, offen sein für die Veränderungen in der Welt, sich informieren und die Geschehnisse diskutieren, mit Freunden, mit Nachbarn und mit seinen Kindern… und natürlich in diesem Zusammenhang Position beziehen. Meine Position, muss ich immer wieder feststellen, verändert sich mit den Artikeln, die ich lese und den Gesprächen, die ich führe, aber nur so kann sich eine fundierte Meinung bilden.

Mitmachen meint, sich da engagieren, wo es die Möglichkeiten und Fähigkeiten zulassen. Man kann sich in seiner nächsten Umgebung sozial engagieren, Nachbarn helfen, in der Schule mitmachen, Vereine unterstützen. Das hilft zum einen tatsächlich und man lebt den eigenen Kindern vor, dass man tatsächlich etwas tun kann.

Und nicht zu letzt Selbstmachen! Anstatt nur noch zu konsumieren, weil wir uns das ja nun leisten können, sollten wir überdenken, ob wir das, was wir gerne hätten a, wirklich brauchen und b, nicht selbst machen können. Wer das einmal ausprobiert hat, weiß, wie befriedigend es ist, wenn man etwas mit eigenen Händen geschaffen hat. Dieses Gefühl hält lange an und macht stolz (gut für´s Selbstwertgefühl).

Das ist mein Ausgleich, es vereint das Kreative mit dem Handwerklichen, das sind meine Projekte. Und darüber möchte ich in nächster Zeit mehr berichten. Da sind zum Beispiel die Dinge, die ich entwerfe und nähe. Gestern ging´s los mit dem Zickzack-Quilt. Ein weiteres Projekt ist der blaue Sessel. Und dann muss ich noch die Geschichte von unsrer Sauna erzählen.

Fortsetzung folgt…