Ü50 oder die überreife Frau

Ich bin Ü50.

Über 50 also. Das ist ein Bekenntnis, das immer noch nicht so leicht über die Lippen kommt. Denn ungeachtet der gesellschaftlichen Diskussion, ob eine Frau, die die magische Grenze der 50 überschritten hat, sich also quasi auf der Talfahrt ins Grab befindet, sich nun noch jugendlich geben oder gar fühlen darf, steht da diese verflixte biologische Hürde, die alle Frauen früher oder später überspringen müssen: Die Wechseljahre.

Oh Gott, allein dieses Wort! Es gibt, glaube ich, kein Wort, das so unsexy ist wie WECHSELJAHRE. Wenn eine Frau, meist mit gedämpfter Stimme, bekennt, sie sei in den Wechseljahren, umgibt sie unweigerlich diese Aura von welkem, vertrocknetem Fleisch und  Schweißperlen auf der Stirn. Sofort tauchen Bilder auf von Frauen mit praktischem Kurzhaarschnitt und asymmetrischen Filzhüten.

Dabei geht es auch anders! In jüngster Zeit sprechen Frauen wie Angelina Jolie und Whoopie Goldberg  öffentlich über die Menopause (klingt auch besser, obwohl es eine Verharmlosung ist. Das ist keine Pause!). Kim Cattrall sagt: “‘The menopause was an awakening. People always talk about it as a sort of downturn for women, a negative thing, but I saw it as the start of a new phase, a final chapter. It was: “What shall I do for the next 30 or 40 years, and with whom?

Die eigentliche Herausforderung ist – für mich zumindest – Abschied zu nehmen von meinen jugendlichen Schönheitsidealen und zu einem realistischen, erwachsenen und unabhängigen Frauenbild zu finden. Leider gibt es auf diesem Sektor noch sehr wenige Vorbilder. Bei meinen Recherchen bin ich dann aber doch auf einen Blog gestoßen, der genau dieses Thema sehr schön und humorvoll anspricht:
That’s not my age Es geht um erwachsenen Style. Und Style bedeutet eben nicht Mode, sondern ist Ausdruck der eigenen Persönlichkeit, die sich natürlich auch in der Kleidung wiederspiegelt.

Die Modejournalistin und Bloggerin Alyson Walsh schreibt: ” It’s not about age, it’s about style. And this is for every woman who refuses to be invisible.” Im März hat sie zu diesem Thema ein Buch veröffentlicht: Style Forever – the grown-up guide to looking fabulous. Ich habe es mir gerade bestellt und werde in Kürze darüber schreiben.

See you!

 

 

 

2 Gedanken zu „Ü50 oder die überreife Frau

  • 2. Oktober 2015 um 8:07
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    Liebe Bettina,

    danke dir für deinen ausführlichen und sehr persönlichen Bericht!

    Ich finde es sehr spannend, was andere Frauen in der selben Lebensphase erleben und welche Erfahrungen sie mit sich und ihrer Umgebung machen. Hoffentlich machen diese öffentlichen Bekenntnisse anderen Frauen Mut!

    Ich würde mich sehr freuen, wenn sich noch mehr Frauen trauen würden, ihre Meinung zu posten.

    Hab eine gute Zeit!
    Nadja

  • 2. Oktober 2015 um 7:15
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    Liebe Nadja,
    ich bin über Deinen Blog gestolpert auf der Suche nach tollen Patchworkideen und hängen geblieben, weil das, was Du schreibst, in meinem Horizont liegt. 😉
    Dies hier auch.
    Ich bin noch nicht 50, aber bereits seit fünf Jahren “im Umschwung”. Spannenderweise sind da aber die meisten Frauen, einschließlich meiner Frauenärztin gar nicht drauf gekommen, dass es da los gehen könnte. Die Frage meiner FÄ war, ob meine Mutter denn auch schon so früh ihre Wechseljahre bekommen hätte. Keine Ahnung und jetzt kann ich sie nicht mehr fragen, sie ist dement. Ja, ihr Lieben Mitleser, es geht SCHLIMMER als Wechseljahre, Menopause (die kommt ja danach!!!) und unendliche unjugendliche Falten im Gesicht. 😉
    Der Kleiderwechselstil ist absolut bedeutend für diese Phase, aber nicht nur der… Ich finde es viel einfacher, schöne Tage verleben zu können, denn der ganze Fortpflanzungsstress ebbt langsam ab. Nee klar, mit der Kinderwunschplanung glaubt man ja, bewusst, das Thema im Griff zu haben, aber das stimmt nicht. Wer offen mit sich umgeht, muss zugeben, dass es neben dem besten Mann von Welt definitiv noch mindestens 172.578.166,667 Männer (jeder 36. Mensch also) gibt, die attraktiv genug sind, dass man leicht beschleunigten Herzschlag bekommt, wenn man sie auf der Straße sieht, nach einem Zusammenrempeln sich tief in die Augen schaut, eine Geschäftsmail mit netter Formulierung etc. pp. Frau könnte jetzt sagen, dass man cooler wird, aber das glaube ich nicht. Die berühmte biologische Uhr zeigt an, dass man auch für ein Kuckuckskind keine Zeit mehr aufbringen sollte, weil die eigenen Kinder bald mit ihrem Nachwuchs Hilfe brauchen könnten.
    Liest sich furchtbar, wie die Falten? Quatsch, immer alles gleich heißt doch Stillstand und Stillstand ist langweilig.
    Betrachte ich das Nachlassen der Spannkraft der Haut im Wandel meiner Lebenszeit, dann war es vor drei Jahren noch furchtbar, als mir ein Mann, der ein Jahr nach mir sein Studium begann, mit teilte, dass er ja mit G., also meiner Studienfreundin zusammen studiert hat und nicht SCHON mit mir. Da steht frau erst einmal da und kuckt dumm in die Röhre bzw. Sekunden später in den Spiegel auf der Frauentoilette, um die tausenden von neuen Falten im Gesicht zu sehen. Und dann sah ich all das in einem anderen Licht. Nein, nicht in dem, in dem man meine Falten nicht sah, sondern in dem, was ich alles erlebt habe. Das vielleicht gar nicht die Falten davon zeugen, dass ich ALT aussehe, sondern dass man mir einfach an sieht, dass ich viel Erfahrung in meinem Leben gesammelt habe, mit der ich ein Mehr an Weisheit ausstrahle. Betrachte ich jedes neue Grübchen rund um die Augen, sehe ich die vielen fröhlichen Momente, die mir nun fast 43 Jahre geschenkt haben. die tiefe Zornesfalte oben auf der Stirn liegt mittlerweile offen, wird also nicht mehr vom Pony bedeckt. So sehe ich sie jeden Tag und übe mich im Zwei-Finger-Lächeln (Ajam Bram “Die Kuh, die weinte”) und arbeite so dagegen, dass sie zu einem bedeutenden Teil meines Gesichtes werden will.
    Und wenn ich dann mal fern sehe, freue ich mich, dass man zumindest bei einigen Filmen schafft, die Leute ohne dicke Maske bei Ü40 spielen lässt und auch dadurch haben wir es glaube ich auch heutzutage einfacher als “früher”.
    Ein Beitrag dafür, dass wir auch Ü30 als attraktive Frauen, trotz fehlendem Fortpflanzungspotential anerkannt werden, sorgen ja auch Artikel wie dieser, die uns dazu bewegen, die Blick aufrecht zu halten, bewusst, dass wir bereits über dreißig Jahre Erfahrungen sammeln durften.

    Danke Dir!
    Bettina

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