Warum wir andere Häuser brauchen

Gestern habe ich endlich das Buch “WOHNKOMPLEXE” von Niklas Maak zu Ende gelesen. Hat eine Weile gedauert, denn dieses 320 seitige Werk ist voll von Ideen und neuen Aspekten zum Thema (urbanes) Wohnen. Ausgehend von der Geschichte des Wohnens führt er kritisch über eine Analyse des Ist-Zustandes – einer immer weniger funktionierenden Wohnmisere – zu zukünftigen Formen von Zusammenleben im verdichteten städtischen Raum.

Eine gute Zusammenfassung  dieses Buches gibt der Artikel “Raus ins Offene” von Wolfgang Nagel in der ZEIT 13/2015 wieder. Auch Hanno Rautenberg nimmt sich in seinem Artikel “Baut auf die Fantasie” (ZEIT 51/2012) des selben Themas an und plädiert für eine Verdichtung und Durchmischung urbanen Lebens. Auf engstem Raum sollen idealerweise die unterschiedlichsten Anforderungen der Bewohner erfüllt und deren Bedürfnisse befriedigt werden. Das öffentliche Leben soll interessanter und vielfältiger werden und die Innenstädte für alle attraktiver. Die Notwendigkeit an den Stadtrand zu flüchten um Ruhe und Grün zu haben kann entfallen, wenn in den Städten ruhige und grüne Zonen und öffentliche wie private Zwischenräume geschaffen werden. Wenn die “Stadtrandpendler” weniger werden,  verringert sich automatisch das tägliche Verkehrsaufkommen.

Doch wir müssen den Diktaten der Bauindustrie und der Einfallslosigkeit und Starrheit der örtlichen Baubehörden nicht machtlos gegenüber stehen. Auf der Architekturbiennale 2010 in Venedig wurde genau dieser Umstand der lieblosen profitorientierten Bauweise thematisiert. In seinem Artikel “Räume zum Atmen” beschreibt Hanno Rautenberg, dass das Thema der Biennale “People Meet In Architecture” ziemlich genau dem Interesse des Bürgers an Architektur entspricht.

Eine praktikable Lösung, die inzwischen in Großstädten immer beliebter wird, ist der Zusammenschluss zu Baugruppen  um kostengünstig gemeinsame Vorstellungen vom Leben in der Stadt umzusetzen. In dem Artikel  “Unsere neue Heimat” von Elisabeth Niejahr, Petra Pinzler, Mark Schieritz und Jana Simon in der ZEIT 51/2012 wird beschrieben, wie dieses Thema inzwischen überall in Deutschland couragiert angegangen wird, trotz allerlei Widerständen. Leider gibt es bisher nur einige wenige Bauträger und Investoren, die mutig und innovativ genug sind um von den üblichen Schemata abzuweichen, bestehende Brachen oder ausgediente Industriebauten zu Wohnraum umbauen und damit bezahlbaren sozialen Wohnungsbau zu ermöglichen. Hier müssen allerdings vor allem die Gemeinden und Städte mitspielen und diese Projekte fördern und unterstützen. Ein Umdenken der Politik ist notwendig.